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“Löwen können mitunter wochenlang ohne Nahrung auskommen, aber wenn sie dann ein Tier, etwa ein Emu, reißen, dann Gnade dir Gott. Dann sind sie unbarmherzig!“. Wer kennt es nicht, das berühmte Zitat von Heinz Sielmann aus seinem gleichnamigen Film „Die wunderbare Welt der Tiere“.
So oder so ähnlich mussten sich die Stuttgarter Emus am letzten Spieltag vorgekommen sein. Saftiges Filet wurde ihnen während der 80 Minuten von 17 ausgehungerten Löwen immerfort aus dem Leib gerissen. Am Ende gab es ein deutliches 2.2.14:26.15.171. Zweimal durfte der Emu zucken, danach war Schluss.
Doch für das Löwenrudel war der gefiederte Laufvogel aus Down Under bloß ein kleiner Snack auf dem Weg zur vierten Flagge. Wo diese dann letztendlich stecken wird, ob im Krokodil oder im Kangaroo wird sich zeigen. Das sie stecken wird, scheint mehr denn je ausgemachte Sache zu sein.
Gerade nach der vernichtenden Auswärtsniederlage bei den Crocs wäre es den Rheinländern zu wünschen, wenn sie eine Revanche bekommen würden. Was gäbe es Schöneres, als die Schmach von Berlin zu tilgen, indem die vierte Meisterschaft in Folge gerade dort gefeiert werden könnte.
Auf dem Weg dorthin müssen allerdings kommendes Wochenende noch die Redbacks aus der Mainmetropole in ihre Einzelteile zerlegt werden. Obacht! Bei einem Scheitern und einem gleichzeitigen Unentschieden zwischen München und Berlin wäre das Finale passé.
Über das Spiel im Schwabenländle braucht man nicht viele Worte verlieren. Es war eine einseitige Angelegenheit und so konnten sich die Löwen aus dem Rheinland zur rechten Zeit die noch immer tief sitzenden Wunden lecken. Der Teamspirit scheint zeitig zurückgekommen zu sein. Auf zu großen Taten...
Einzelkritik:
Kai Stühler:
Bestach durch seine Präsenz in vorderster Front. Robust und einsatzfreudig wie immer. Manchmal fehlt es noch an Spielverständnis und dem nötigen Eigensinn um mehr als 1 Tor zu schießen, wobei ihm dieses Mal sogar Eins geklaut wurde.
Glenn Mensch:
Zeigte sowohl in der Forward Line als auch später im Ruck eine ansprechende Leistung. Seine Leistungskurve zeigt steil nach oben, so dass er im Finale mehr als nur eine Alternative sein wird.
Martin Schmitz:
Scheint endlich den nächsten Sprung gemacht zu haben. Unglaubliches Laufpensum gepaart mit unbändigem Willen, dem Team zu helfen. Mit jeder Trainingseinheit und jedem Spiel findet er besser zu seiner Form. Es fehlt noch das Selbstbewusstsein aus 10 m aufs Tor zu schießen.
Tom Odenthal:
Wirkte in den ersten 5 Minuten wie ein Fremdkörper. Man merkte ihm seine lange Wettkampfpause an. Fand später mit präzisen Laufpässen ins Spiel und schoss überdies 4 schöne Tore. Muss jedoch zulegen, um sich von seiner Franz Beckenbauer-Gedächtnis-Spielweise schnellstmöglich zu verabschieden.
Neal Harris:
Ein durchweg gelungenes Spiel des Coaches, und das nicht nur wegen seinem Left-Foot-Goal aus spitzem Winkel. Führte in jeder Phase das Team und bewies ein glückliches Händchen bei den Spielerwechseln.
Tobi Höfel:
Dank Luke durfte sich auch der Schlaks über ein Tor freuen. Der Allrounder fand sich auf zahlreichen Positionen wieder, im Gedächtnis bleiben sicherlich seine als Ruck vehement geführten Kämpfe in der Luft. Muss härter werden und seine Größe noch besser einsetzen.
Marci Faßbender:
Da war er wieder, der Silent Assassin. Sicherlich einer der Besten an diesem Tage. Der Skipper der letztjährigen Magoos überzeugte durch große Laufarbeit und Übersicht. Muss diese Leistung jetzt auch gegen große Mannschaften zeigen. Gelegenheit wird er dazu am 11. September haben.
Tim Steinke:
Endlich überzeugte der Mehmet Scholl des Footys nicht nur durch seine Kondition. Zeigte erstmals Härte in zahlreichen Packs und krönte seine ansprechende Leistung durch ein gelungenes Tor. Weiter so!!!
Luke McBride:
Da schwebte er wieder über den Dingen. Der Skipper erwischte einen extrem guten Tag und scheint grundsätzlich, wenn er will, mindestens 1 Level höher spielen zu können als alle anderen. Wenn da nicht die vielen Tage wären, wo er sich selber als „lazy“ bezeichnet. War überall zu finden.
Tim Paul Bade:
Gehandicapt durch zahlreiche Blessuren und anhaltendem Alkoholeinfluss zeigte Tim Paul Bade das, was man in dieser Saison von ihm erwarten kann und was er auch inzwischen zuverlässig abliefert. Wille und Einsatz scheinen seinen Zweitnamen alsbald zu verdrängen.
Roland Odenthal:
The last Samurai is back. Da war er wieder, der langhaarige Bombenleger. Nur dieses Mal war er ausschließlich für die Entschärfung zuständig. Fing aus bisher unerfindlichen Gründen alles weg, was aufs Tor kam, vorzugsweise ausgesprochen schöne contested marks. Sensationell! Hielt den Laden hinten trotz muskulärer Probleme erfolgreich zusammen. Dass seine Schussqualitäten ausbaufähig sind, ist bekannt.
Dave Nolan:
Fing ebenfalls in der Backline an. Wie er trotzdem zu vier Toren gekommen ist (inkl. des geklauten Tores von Kai), wird wohl sein Geheimnis bleiben. Nicht zu vergleichen mit seiner Leistung am Anfang der Saison. Wirkt wesentlich austrainierter, was auch seinem laufintensiven Spiel zugute kommt. An ihm wird das Team noch seine Freude haben. Besticht auch als erfahrenden Leader.
Alex Richards:
Es gibt wenig Rucks, die sich so häufig in die Torschützenliste eintragen dürfen wie Big Al. Auch gegen Stuttgart gelangen ihm wieder einmal 4 Tore. Musste kurzzeitig verletzungsbedingt aussetzen, kam jedoch zurück und drehte richtig auf. Was will man mehr als einen spielstarken Ruck. Lässt kaum Wünsche offen.
Michi Dietrich:
Der manchmal etwas phlegmatisch wirkende Dietrich nahm sich während des Spiels manche Auszeit. Zieht man diese Zeit ab und bedenkt, dass er 2 Tore schoss und Teil zahlreicher gelungener Ballstafetten gewesen ist, war seine Leistung nah dran an internationaler Spitzenklasse. Abschließendes Urteil: wenig Schatten, viel Licht.
Mick Eastham:
Zuverlässig wie ein VW, spritzig wie ein Porsche und kraftvoll wie ein BMW. Damit lässt sich Easthams Leistung am besten umschreiben. Der Motor des Teams zeigte kaum Schwächen, weder am Boden noch in der Luft. Ist im Zentrum genau richtig aufgehoben, da er dort seine überragende Übersicht am besten ausspielen kann. Glänzte demnach nicht nur durch seine 2 Tore.
Chris Odenthal:
Back on the Track. Endlich sieht man den langzeitverletzten, jüngsten Odenthal wieder in kurzen Shorts über den Boden kriechen. Startete zunächst aus mentalen Gründen auf der Bank, die eine sichtlich beruhigende Wirkung auf ihn hatte. Kam schon während des ersten Viertels und tat was er am besten kann, nämlich Footy zelebrieren. Ein gelungenes Debüt. Vor allem als Centre Half Back konnte er sein Kampfgeist und seine Übersicht inkl. zielgenauen Kicks exzellent ausspielen. Wenn doch alle Odenthals mal gleichzeitig fit wären!!!
Marc Vinzens:
Das Team wird wieder internationaler. Der Schweizer Rugbyspieler fand sich schnell zurecht und hatte offensichtlich Spaß an Körperkontakt. Sein First Player Klebeband lag jedenfalls schon nach dem ersten Viertel auf dem Boden. Man hatte den Eindruck, dass er sich vorher etliche Footyvideos angeschaut hat. Großes Lob an unseren Schwitzer!
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